Königskobras, eine der giftigsten Schlangen der Welt, tauchen an unerwarteten Orten in ganz Indien auf, und eine neue Studie legt nahe, dass sie möglicherweise Züge benutzen, um dorthin zu gelangen. Dieses Phänomen beunruhigt nicht nur Passagiere, sondern wirft auch die Frage auf, wie diese Reptilien ihr Verbreitungsgebiet erweitern und was dies sowohl für die Tierwelt als auch für die Sicherheit der Menschen bedeutet.
Unerwartete Passagiere
In Indien häufen sich Berichte über Königskobras und andere Schlangen in Zügen und Bahnhöfen. Bei einem Vorfall aus dem Jahr 2017 wurde eine Kobra gefunden, die um ein Zugfenster gewickelt war und Fahrgäste zischte. Obwohl die Schlange letztendlich sicher entfernt werden konnte, verdeutlicht das Ereignis eine wachsende Besorgnis: Schlangen landen weit außerhalb ihres natürlichen Lebensraums.
Die Studie: Züge als Transportmittel
Forscher des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels und des Victor Valley College untersuchten zwischen 2002 und 2024 47 Königskobra-Rettungsstandorte in Goa. Sie fanden heraus, dass fünf Schlangen in Gebieten entdeckt wurden, die für ihr Überleben völlig ungeeignet waren, alle in unmittelbarer Nähe von Bahngleisen oder Bahnhöfen.
Die Königskobra der Western Ghats, eine Art, die erst 2024 offiziell anerkannt wurde, bevorzugt kühle, feuchte Bergwälder. Die geretteten Schlangen wurden jedoch in trockenen Tieflandgebieten gefunden, weit entfernt von idealen Brutbedingungen. Die Studie legt nahe, dass die Schlangen möglicherweise in Zügen mitfahren, möglicherweise während längerer Stopps zur Warenabholung oder aufgrund von Wetterverzögerungen.
Warum tun sie das?
Die Motivation hinter diesen Reisen bleibt unklar. Forscher spekulieren, dass die Schlangen möglicherweise Beute jagen (wie Nagetiere oder andere Schlangen) oder Schutz suchen, bevor sie sich im Zug niederlassen, um zu verdauen. Obwohl die Hypothese schwer zu beweisen ist, eröffnet sie neue Wege für die Forschung.
„Das ist es, was gute Wissenschaft leistet – sie liefert eine starke Hypothese, die wir weiter testen können, wenn sich neue Beweise ansammeln.“ – Emily Taylor, Biologin an der California Polytechnic State University.
Sind sie gefährlich?
Trotz ihres starken Giftes und ihrer Geschwindigkeit ist es unwahrscheinlich, dass Königskobras Menschen angreifen, es sei denn, sie werden in die Enge getrieben oder provoziert. Herpetologe Hinrich Kaiser erklärt: „Du bist kein Futter, also gehen sie dir lieber aus dem Weg.“ Dennoch stellt die Anwesenheit dieser Schlangen in von Menschen besiedelten Gebieten ein potenzielles Risiko dar, insbesondere wenn sie sich bedroht fühlen.
Die Studie zeigt, wie sich Wildtiere auf unerwartete Weise an die menschliche Infrastruktur anpassen können. Während weitere Untersuchungen erforderlich sind, um das Ausmaß der zuggestützten Schlangenausbreitung zu bestätigen, bieten die Ergebnisse wertvolle Einblicke in die Art und Weise, wie Arten auf eine zunehmend fragmentierte Welt reagieren.
