Neue Forschungsergebnisse bestätigen, was viele vermutet haben: Medizinisches Cannabis ist nicht wirksam bei der Behandlung von Angstzuständen, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) oder Depressionen. Trotz seiner weit verbreiteten Verwendung bei diesen Erkrankungen in einigen US-Bundesstaaten zeigen zwei aktuelle Studien, dass es an stichhaltigen wissenschaftlichen Beweisen für seine Wirksamkeit mangelt. Die Ergebnisse unterstreichen eine erhebliche Lücke zwischen anekdotischem Gebrauch und nachweisbarem medizinischen Nutzen und werfen kritische Fragen zur aktuellen Regulierungspraxis auf.
Die Evidenzlücke: Was die Studien zeigen
Forscher analysierten 54 randomisierte kontrollierte Studien – den Goldstandard für pharmazeutische Tests – aus der Zeit von 1980 bis 2025. Die Studien, an denen oft weniger als 100 Teilnehmer teilnahmen, fanden keine positive Wirkung von Cannabis auf Angstzustände, Anorexia nervosa oder psychotische Störungen. Bemerkenswert ist, dass Cannabis in keiner Studie speziell gegen Depressionen getestet wurde, sodass eine entscheidende Frage unbeantwortet blieb, obwohl breitere Beweise auf einen geringen Nutzen schließen lassen.
Dieser Mangel an Beweisen wird durch die ungewöhnliche Art und Weise, wie Cannabis für medizinische Zwecke legalisiert wurde, noch verschärft. Im Gegensatz zu herkömmlichen Medikamenten, die eine FDA-Zulassung auf der Grundlage fundierter klinischer Studien erfordern, variiert die Regulierung von Cannabis je nach Bundesstaat erheblich. Vierzig Bundesstaaten und Washington, D.C. erlauben medizinisches Cannabis, wobei über ein Dutzend ausdrücklich PTBS als qualifizierende Erkrankung einschließen, während andere es unter vagen Klauseln über „belastende psychiatrische Erkrankungen“ erlauben. Dies bedeutet, dass Patienten Zugang zu einer Behandlung ohne nachgewiesenen Nutzen erhalten, in einigen Fällen entgegen ausdrücklicher wissenschaftlicher Empfehlungen.
Warum das wichtig ist: Die regulatorische Diskrepanz
Das aktuelle System sei „völlig rückständig gegenüber der Art und Weise, wie Medikamente normalerweise auf den Markt gebracht werden“, sagt die Psychologin Tory Spindle von Johns Hopkins. Die bundesstaatliche Illegalität von Cannabis zwingt die Staaten dazu, es unabhängig zu regulieren, so dass die Forscher darum kämpfen müssen, mit dem tatsächlichen Konsum Schritt zu halten. Auch die Erforschung von Cannabis steht vor erheblichen Hürden, da es als Droge in die Liste I eingestuft ist, was ein hohes Missbrauchspotenzial und keine akzeptierte medizinische Verwendung impliziert.
„Wir alle wollen einfach nur, dass die Menschen Zugang zu Medikamenten haben, die sowohl wirksam als auch sicher für ihre Beschwerden sind“, sagt Jack Wilson von der University of Sydney, der eine der Studien leitete. „Leider glaube ich nicht, dass das bei vielen Menschen der Fall ist, die medizinisches Cannabis konsumieren.“
Potenzielle Schäden: Jenseits der Ineffektivität
Die Studien stellen nicht nur einen mangelnden Nutzen fest; Sie schlagen vor, dass Cannabis die psychischen Erkrankungen verschlechtern könnte. Untersuchungen deuten darauf hin, dass es die Manie bei bipolaren Störungen und die psychotischen Symptome bei Schizophrenie verschlimmern kann. Dies wirft ernsthafte ethische Bedenken hinsichtlich der Verschreibung einer Substanz mit bekannten Risiken auf, wenn kein therapeutischer Vorteil besteht.
Das Fazit
Der wissenschaftliche Konsens ist klar: Es gibt kaum bis gar keine qualitativ hochwertigen Beweise dafür, dass Cannabis Angstzustände, posttraumatische Belastungsstörungen oder Depressionen wirksam behandelt. Der derzeitige Flickenteppich an staatlichen Regulierungen hat dazu geführt, dass medizinisches Cannabis trotz des Mangels an Beweisen floriert und möglicherweise gefährdeten Patienten schadet. Bis eine gründliche Forschung die Evidenzlücke schließt, sollten politische Entscheidungsträger und Gesundheitsdienstleister Behandlungen mit etablierten Wirksamkeits- und Sicherheitsprofilen Vorrang einräumen.
