Alzheimer-Bluttests sagen das Erkrankungsalter voraus, es bestehen jedoch weiterhin Bedenken hinsichtlich der Genauigkeit

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Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Bluttests zum Nachweis des Proteins p-tau217 abschätzen können, wann sich die Alzheimer-Krankheit bei einzelnen Personen manifestieren könnte, bevor Symptome auftreten. In der in Nature Medicine veröffentlichten Studie wurden Blutproben von über 600 kognitiv gesunden Erwachsenen im Alter von 62 bis 78 Jahren verwendet, um das Auftreten von Symptomen mit einer Fehlertoleranz von 3 bis 4 Jahren vorherzusagen.

Obwohl diese Tests vielversprechend sind, warnen Experten, dass sie noch nicht für den breiten klinischen Einsatz geeignet sind. Alzheimer ist eine komplexe Erkrankung, die von der Genetik, dem Lebensstil und anderen Faktoren beeinflusst wird und genaue Vorhersagen schwierig macht. Für individuelle Patientenentscheidungen sind die Tests noch nicht zuverlässig genug.

Wichtige Erkenntnisse:
– Mithilfe von Blutuntersuchungen lässt sich das Erkrankungsalter der Alzheimer-Krankheit einigermaßen genau bestimmen.
– Ältere Personen mit positiven Testergebnissen können früher Symptome entwickeln als jüngere. Beispielsweise kann ein positiver Test im Alter von 60 Jahren Symptome in 20 Jahren vorhersagen, während ein positiver Test im Alter von 80 Jahren Symptome in nur 10 Jahren bedeuten könnte.
– Die Tests sind kostengünstiger und einfacher als herkömmliche Methoden (Rückenmarkspunktionen, PET-Scans), weisen jedoch dennoch Einschränkungen auf.

Derzeit zugelassene Bluttests (Lumipulse und Elecsys) sind für diejenigen konzipiert, die bereits Symptome zeigen. Die neue Studie untersucht die Vorhersage des Krankheitsbeginns bei symptomfreien Personen, was von entscheidender Bedeutung ist, da sich Alzheimer ein Jahrzehnt oder länger entwickeln kann, bevor sich ein kognitiver Rückgang bemerkbar macht.

Warum das wichtig ist:
Die Früherkennung wird immer wichtiger, da neue Medikamente das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen können, wenn sie früh genug verabreicht werden. Derzeit laufen klinische Studien, um festzustellen, ob diese Medikamente Symptome bei gefährdeten Personen überhaupt verhindern können.

Allerdings sind die Tests nicht narrensicher. Andere Gesundheitszustände (Nierenerkrankungen, Fettleibigkeit) können die Ergebnisse verfälschen und zu falsch positiven oder negativen Ergebnissen führen. Die 3-4-Jahres-Fehlermarge ist für Finanz- oder Lebensplanungsentscheidungen von Bedeutung.

Trotz dieser Vorbehalte sehen Experten einen Wert der Tests für die Diagnose und die Förderung präventiver Maßnahmen wie Bewegung, Ernährung und kognitive Stimulation. Eine weitere Validierung in verschiedenen Bevölkerungsgruppen ist erforderlich, aber die Forschung bietet einen Schritt in Richtung einer früheren Intervention bei dieser verheerenden Krankheit.

„Diese Bluttests sind immer noch wertvoll für die Diagnose und Behandlungsplanung“, sagt der klinische Neuropsychologe Corey Bolton und betont die Notwendigkeit fortlaufender Forschung und einer sorgfältigen Interpretation der Ergebnisse.

Die Daten der Studie stehen zur unabhängigen Analyse öffentlich zur Verfügung, sodass Forscher diese Ergebnisse reproduzieren und verfeinern können.